Touch the Sound

Taktiles Sound Design und haptische Feedbacks

Moderne interfaces für Mensch-Maschinen-Interaktion haben oft das Problem, dass kein physikalischer Bezug vorhanden ist. In der analogen Welt hingegen spüren wir die Dinge auf ganz natürliche Weise: Eine herkömmliche Tastatur können wir mit Hilfe des ‚Zehnfingersystems‘ blind benutzen; wir können schreiben ohne dabei auf die Tasten zu sehen. Ebenso können wir einen Fader verschieben oder einen Lichtschalter drücken, ohne dabei mit den Augen kontrollieren zu müssen, was unsere Hände tun.

Bei Touch Screens hingegen ist das anders: Sie sind flach, glatt und weisen keinerlei Struktur auf. Schreiben wir auf einem Touchscreen oder bedienen Regler oder Tasten, so brauchen wir die visuelle Kontrolle, ‚was’ drücken oder ‚wohin’ wir schieben. Das bedeutet, dass sich ein Touchscreen nicht ‚blind’ bedienen lässt. Gleiches gilt für Gesten-gesteuerte Interfaces, auch hier fehlt uns eine physische Begrenzung, die uns spüren lässt, in welchem Bereich wir uns bewegen.

Sogenannte ‚haptische Feedbacks’ - spürbare Vibrationen über Körperschalltreiber - lösen dieses Problem: Sie ersetzen die fehlenden Strukturen und geben dem Benutzer Informationen über die Interaktion. Das macht Interfaces wesentlich intuitiver. Es ist auch möglich, kreativ mit haptischem Feedback zu arbeiten und spürbare Texturen auf sonst flachen Bildschirmen oder Projektionsflächen zu erzeugen.

  • Anwendungsbeispiel: 'Level Green' der Autotadt Wolfsburg: Für die in der Ausstellung verwendeten, teils mehrere Meter breiten Touchscreens, realisierte Idee und Klang ein intelligentes Sound Design, welches, unter anderem, mit Hilfe von Körperschallwandlern haptische Feedbacks erzeugt. Auf diese Weise 'spürt' der Besucher, was er auf der interaktiven Fläche bewegt oder anwählt und kann sich gleichzeitig auf andere Inhalte konzentrieren. Link zum Projekt

Bei 360 Grad oder Kuppel Projektionen und erst recht beim sogenannten 4D Kino kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wir wollen Sound nicht nur hören sondern auch spüren. Fehlt diese Komponente, ist das Erlebnis nicht realistisch, denn zu massiven Klangerlebnissen wie Erdbeben, Vulkanausbrüchen oder Explosionen gehört dieser physikalische Aspekt zwingend dazu. 

Da in diesen Fällen keine Berührung durch die Hände stattfindet, sondern die Besucher meist sitzen oder stehen, werden die Vibrationen über Sitze oder den Boden mit sogenannten ‚Shakers‘ übertragen. Damit können nicht nur Erfahrungen weit immersiver gestaltet werden, sondern auch Irritationen erzeugt werden.

  • Anwendungsbeispiel 1: ‚Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler‘
    Eine Installation der Ausstellung befasst sich mit dem Thema des überdimensionierten ‚Grössenwahns‘ in der Ideologie des Nationalsozialismus. Sie wurde installativ in eine abstrakte 22-kanalige Klangkomposition übersetzt. Dabei verursachen ‚Earthquake Transducer’, die den Boden zum Schwingen bringen, Irritation und Unbehagen. Link zum Projekt
     
  • Anwendungsbeispiel 2: ‚Museum of the Future - 2017‘ in Dubai Für das Herzstück der Ausstellung, eine 360-Grad Film-Projektion, bespielten wir eine Auro 11.1 Lautsprecher Aufstellung mit zusätzlichen Lautsprechern und Shakern im Boden. Der Film führte die Besucher unter anderem in das Innere eines Sandsturms und in die Tiefsee. Link zum Projekt
     
  • Anwendungsbeispiel 3: ‚Museum of the Future - 2016‘ in Dubai
    In einem bestimmten Bereich dieser Ausstellung sorgte ein Avatar für Entspannung: Er dirigierte die Musik, die der Besucher in einem Liegesessel als entspannende, rhythmische Bewegungen in Form von haptischen Texturen erleben konnte. Link zum Projekt