Pro Helvetia Residenz in Venedig

Rückblick auf Ramons Zeit in Venedig

Der Klang der Lagunen Venedigs
Nach der ersten Hälfte meines vierwöchigen Pro-Helvetia-Aufenthalts in Venedig machte ich einen Ausflug in die Lagune, um dem überfüllten Zentrum zu entkommen. Es ist schon irgendwie paradox, wie man in der "Stadt ohne Autos" die Boote umso mehr hören kann.
Begleitet wurde ich von Enrico Coniglio, der selbst Soundscape-Komponist ist. Gemeinsam erkundeten wir eine kleine verlassene Insel in der Nähe von Murano und nahmen verschiedene interessante Klänge auf. Vor allem das Hydrophon (Mikrofon für Unterwasseraufnahmen) erzeugte eine überraschend lebendige Klanglandschaft. Neben diversen Klängen fingen wir auch Muscheln, sogenannte 'Vongole veraci', die wir anschließend kochten und aßen.

Venedig unterwasser
In den folgenden Wochen erforschte ich die Unterwasserwelt von Venedig weiter. Mit zwei Hydrophonen nahm ich, in gut zwei Metern Tiefe, den Schiffsverkehr des Giudecca-Kanals auf (siehe Video unten). Es war ziemlich überraschend, wie weit man die Boote hören kann und wie laut sie tatsächlich sind - vor allem, wenn sie 'bremsen' (das ist das laute rasselnde Geräusch). Definitiv kein angenehmer Lebensraum für die Meereslebewesen.

Die dunkle Seite Venedigs
Während meines Aufenthalts hatte ich außerdem die Möglichkeit, nächtliche Aufnahmen auf dem Kanal zu machen. Die räumlich interessanteren Situationen ergeben sich definitiv in der Nacht, da der allgemeine Geräuschpegel viel niedriger ist und somit der Hörradius größer wird. Eines Abends hatte ich die Gelegenheit, Federicco Mantovan zu begleiten, der einmal pro Woche Gemüse mit seinem Ruderboot ausliefert; an einem anderen konnte ich den Rialto-Fischmarkt besuchen und dort die frühmorgendliche Atmosphäre einfangen.

Tanzen mit Kränen
Eines Tages, als ich zusammen mit Maurizio Adamo (dem Gründer des legendären Restaurants Paradiso Perduto in Venedig) und meinem Freund Pascal Renaud-Bovy auf einer Bootsfahrt für Fieldrecordings war, stieß ich auf Poveglia, einer wunderschönen verlassenen Insel in der Nähe des Lido, auf ein interessantes Objekt: Einen alten Kran. Mit diesem hatten wir großen Spaß, spielten mit ihm herum und ließen ihn tanzen (siehe Video unten). Sein Repertoire war überwältigend: so viele verschiedene Klänge, Obertöne, Resonanzen und Quietschgeräusche!

Auf bald, Venedig.
Während meines Aufenthalts habe ich mehrere Ausflüge in die venezianische Lagune unternommen, um sowohl öffentliche als auch längst verlassene Inseln zu entdecken. Dabei habe ich verschiedene aufregende Orte besucht und Objekte entdeckt, die für Fieldrecordings prädestiniert waren: Den bereits erwähnten alten Kran, die hallenden Wellen in der Eingangshalle von Forte Sant'Andrea, einige seltsame Unterwassergeräusche auf Torcello und vieles mehr. Diese Abenteuer waren nur möglich dank vieler Hinweise und Tipps von Freund*innen und Fachleuten, von denen ich einige während meiner Zeit in Venedig habe kennenlernen dürfen. Ich kann es kaum erwarten, bald zurückzukehren!

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